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Goethes „Faust“ in 229 Handschriften

Erstmalig gibt es eine Sammlung von 229 persönlichen Handschriften in einem Buch. Goethes „Faust“ wurde von 229 Personen Seite für Seite abgeschrieben. So entstand ein einmaliges Werk:  ein inhaltlich wie formal schönes Buch – eine Freude für Auge und Geist.

Handschrift ist „in“. Handschrift ist Ausdruck von Persönlichkeit und Klasse. Mit dem Stift in der Hand sind Sie Ihrer Persönlichkeit, Ihren Gedanken, Ideen und Gefühlen viel näher, als mit Tastatur oder Touchscreen.

Mit der Hand zu schreiben und Handschriften zu lesen ist eine große Freude. So entstand die Idee eine Handschriftensammlung zu erstellen. Goethes „Faust“ gilt als größtes und bekanntestes Werk deutscher Literatur – was liegt da näher, als Goethes „Faust“ in verschiedenen Handschriften zu interpretieren?

Herausgekommen ist ein faszinierendes Buch. Seite für Seite blättern Sie durch bekannte Zeilen und bleiben staunend auf der einen oder anderen Seite hängen, um sich an einer besonders gleichmäßigen oder künstlerischen Handschrift zu erfreuen. Sie lesen eine Schrift und fragen sich, wie alt der Schreiber wohl ist, welches Geschlecht er hat und was er wohl beruflich macht.

Die Teilnehmer sind von 10 bis 96 Jahre alt und kommen aus allen Bereichen des Lebens: Schüler und Lehrer, Hausfrauen und Topmanager, Kalligrafen und Musiker. (Finden Sie die Schrift von Götz Alsmann!)

Aus dem Vorwort zu dem Buch, geschrieben von Christian Mähler, Autor des „Notizbuchblogs.de“:

Viele Freunde der Handschrift haben Ihren handgeschriebenen Teil zu diesem Buch beigetragen.
Aber stellen Sie sich vor, alle Beitragenden hätten ihren Teil des „Faust“ per Tastatur geschrieben und per E-Mail eingereicht. Welchen Unterschied würde das machen?

Wenn Sie den Text gleich lesen, wird Ihnen der Inhalt dieses berühmten Klassikers bekannt vorkommen. Aber die Handschrift wird jeder Seite einen anderen Klang geben, dem Text einen Charakter. Das wechselnde Schriftbild, die individuelle Linienführung, verwendete Schreibgeräte, Schriftfarbe – all das „spricht“ den gleichen Text alle paar Seiten in einer anderen Sprache, einem anderen Tonfall. Wäre das ein Copy-Paste-Text aus E-Mails, jede Seite klänge gleich – fast möchte ich sagen: monoton. Warum ist das so?
Die Handschrift verleiht dem Text einen Charakter, da sie Syntax und Semantik eine dritte Dimension zur Seite stellt: die Individualität des Schreibers und seiner Schrift. Mit der Vielzahl der Schreiber scheint plötzlich auch die Vielzahl der Leser sichtbar zu werden. Die vielen kleinen Momente, in denen die Textteile geschrieben wurden, werden auf einen Schlag präsent; diese Momente bekommen eine Geschichte und betten den Text in eine Welt unerzählter Geschichten von Menschen ein, die am „Faust“ mitgeschrieben haben und durch ihre Handschrift individuell sichtbar werden.
Der Effekt der Handschrift lässt sich in diesem wunderbaren Buch unmittelbar erleben: Das analog geschriebene Wort ist lebendiger als das digital geschriebene. Leider bietet der Alltag heute kaum noch Gelegenheit zur Handschrift, weil der Großteil unserer Kommunikation und der schriftliche Anteil unserer Arbeit meist digital erfolgen. Das ist verständlich. Schade nur, dass auch viele andere Gelegenheiten zum Schreiben von Hand heute ausgelassen oder digitalisiert werden, ist doch die Handschrift ein wichtiges Kulturgut, und wissenschaftliche Studien stellen umfassend die Vorteile der Handschrift gegenüber dem digitalen Schreiben dar:

  • Schüler lernen analog schneller schreiben, weil visuelles und motorisches Erlebnis kombiniert werden.
  • Handgeschriebenes wird besser gemerkt.
  • die Handschrift hält das Gehirn im Alter länger fit.
  • Und in unseren schnelllebigen Zeiten leistet die Handschrift einen wichtigen Beitrag zur Entschleunigung, denn beim Schreiben muss man nachdenken bevor man schreibt und der Akt des Schreibens geht langsamer als an einer Tastatur.
  • Ein persönlich geschriebener Brief wird immer gelesen.
  • Handschrift zeigt Wertschätzung.
  • Gedanken sind schneller und präziser dokumentiert.

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