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Erst die Mama, dann die anderen. Bekenntnis zu einem liebevollen Egoismus. #0068

Gerade Frauen verstehen sich als Dienstleister in der Familie und vergessen den wichtigsten Menschen in ihrem Leben: Sich selbst. Warum es wichtig ist, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und gesund und liebevoll-egoistisch zu sein, habe ich in diesem Blogpost einmal bedacht.

Wenn Sie im Fugzeug sitzen und ein Druckabfal lässt die Sauerstoffmasken herunterfallen, so gilt die Regel: Versorgen Sie erst sich selbst und dann helfen Sie den anderen. Dieses Grundprinzip ist leicht einzusehen: Nur wenn Sie selbst handlungsfähig sind, können Sie anderen helfen.

Das Grundprinzip gilt auch in anderen Bereichen des Lebens.

Warum es sinnvoll ist, gesund und liebevoll egoistisch zu sein:

  1. Wenn es Ihnen gut geht, dann geht es den anderen auch gut.
  2. Wenn es ihnen nicht gut geht, können Sie anderen nicht (dauerhaft) helfen.
  3. Wenn Sie gar ausfallen (Müdigkeit, Burnout, etc.) dann entsteht ein großes Drama: Alle anderen sind hilflos und vielleicht auch orientierungslos.

Die Mutter ist die Sonne im Universum. Natürlich auch der Vater, weil – gehen wir mal von der klassischen Familie aus – der Vater das Geld nach Hause bringt (das ist nur ein Modell, um den Sachstand zu verdeutlichen). Das gilt insbesondere auch dann, wenn die Mutter alleinerziehend ist.

Die Erziehung und vielleicht auch die genetische Programmierung sieht vor, dass Kinder alle Unterstützung und Zuwendung bekommen sollen. Das ist in den Babyjahren kritisch, wird aber auch danach nicht in Frage gestellt und beihehalten. Das führt dann regelmäßig dazu, dass auch heranwachsende Kinder von entlastenden Tätigkeiten im Haushalt befreit sind oder zudem noch durch Mama-Taxi und Hotel-Mama – von vorn bis hinten verwöhnt werden.

Für alle Mütter, aber auch gerade für die vielen alleinerziehenden Mütter (oder auch alleinerziehenden Väter) gilt, dass ein gewisser Egoismus gesunderhaltend ist.

Hier die Maßnahmen für gesunden Egoismus:

  1. Ein Tag pro Woche (!) ist Muttertag – Mama tut nichts.
  2. Aufgaben, die andere Familienmitglieder übernehmen können, sollten auch von denen übernommen werden. Das gilt in erster Linie für die Kinder, aber gerne auch für den Mann/Vater oder die Oma oder den Opa.
  3. Einen Abend pro Woche macht Mama etwas, was Sie will – ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Wer auch immer dann die Kinder umsorgt.
  4. Wenn man es sich leisten kann, dann sollte man sich eine Haushaltshilfe gönnen.
  5. Wechsel der Perspektive vom Dienstleister zum Arbeitgeber: Aufträge erteilen

Die Mama muß zum Chef werden!

Für den liebevollen Egoismus ist es wichtig, dass man seine Perspektive ändert – seine Einstellung zu den Dingen. Die Mama soll sich nicht als Dienstleister fühlen, sondern sich als „Managerin eines kleinen Familienunternehmens“ fühlen. Sie muß managen, führen, entscheiden, abfordern, Aufträge erteilen – sich als Chef und Arbeitgeber fühlen. Die Perspektive wechseln. Das Selbstverständnis ändern. „Erst ich, dann die anderen.“ „Was ich delegieren kann, muß ich delegieren“. „Ich brauche Zeit und Kraft für die Wesentlichen Dinge: Für meine Stabilität, meine Gesundheit, meine Stärke.“

Dann kann ich der Familie das geben, was wirklich wichtig ist: Souveränität, Aufmerksamkeit, Liebe, Zuhören, Zärtlichkeit, Mitgefühl, … Die emotionalen Aufgaben gut erfüllen ist wichtiger, als die Funktionen Wäsche, Essen, Sauberkeit, Fahrdienst. Für die Kinder und den Mann.

Es ist wichtiger, sich Zeit für das Zuhören, für Zärtlichkeit und Empathie zu haben, als für die profanen und deligierbaren Dinge wie Hausputz, Essen, Kleidung, …. dafür muß man Freiraum schaffen – durch Delegation.

Ich weiß, dass das diese Erkenntnis schwierig umzusetzen ist. Gerade Mädchen werden in diesem Bewusstsein erzogen und die zusätzliche Abhängigkeit vom geldverdienenden Ehemann prägt diese Einstellung dauerhaft.

 

 

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2 Kommentare

  1. Lieber Herr Büttner,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!
    Ein Thema, dem sich heutzutage viel zu wenige annehmen, unter anderem weil das von Ihnen angesprochene Modell (das meiner bescheidenen Meinung nach, immernoch eines der besten ist) nicht besonders im Trend liegt. Frauen, die zu Hause bleiben um sich ihrer Familie zu widmen, werden bestenfalls belächelt, dabei leisten sie so viel im Kleinen wie auch im Großen für unsere Gesellschaft.
    Ich selbst schreibe aus einer anderen Perspektive, habe keine eigenenen Kinder, bin berufstätig, aber gleichzeitig sehr bemüht quasi „nebenbei“ mein eher traditionelles Weltbild zu erfüllen und widme dem häuslichen Leben viel Zeit. Immer schauen, wer gerade was auf dem Herzen hat, sich um das Wohlergehen der anderen kümmern, das Haus hübsch und gemütlich machen…mir macht das Freude. Keiner zwingt mich dazu. Und trotzdem muss man darauf achten, dass man dabei ganz eigene, „egoistische“ Bedürfnisse nicht aus dem Blick verliert…

    Herzliche Grüße,
    Maria D.

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